Kategorie: Aufräumen

Ausmisten – füttere Deine Motivation mit diesen zwei Fragen!

Wenn Du denkst, Du müsstest mal ausmisten, dann wirst Du wahrscheinlich ständig daran erinnert. Von Dir selbst. Bewusst oder unbewusst.

Unbewusst, weil Dich jedes Mal beim Anblick Deines Zimmers/Regal/Ecke/Wohnung/Keller etc. ein ungutes Gefühl beschleicht. Diese weit entfernte Stimme, die sagt, dass Du Dich so viel toller fühlen würdest, wenn Du Dich doch endlich mal der Sache annehmen würdest.

Bewusst, weil die Stimme vielleicht gar nicht mehr so weit entfernt und leise ist, sondern Dich jedes Mal anbrüllt, wenn Dein Blick auf das auszumistende “Areal” fällt.

Warum hast Du denn aber dann noch nicht ausgemistet, wenn Dir die Erkenntnis schon ins Gesicht gesprungen ist? Ich vermute, es ist derselbe Grund, der uns Menschen für gewöhnlich auch andere unangenehme Aufgaben weit weg von uns schieben lässt: die Aufgabe erscheint größer und unlösbarer als unsere Motivation oder unser Wille, sie in Angriff zu nehmen. Wir schieben tausend Fragen und Gründe vor, die der Erledigung der Aufgabe scheinbar im Weg stehen: “Wo soll ich überhaupt anfangen?” “Ich kann das doch nicht alles wegwerfen!” “Wohin dann mit all dem Kram?” “Aber da sind eben ganz viele Geschenke dabei, die kann ich sowieso nicht wegwerfen!” “Wenn ich einmal anfange, dann will ich es richtig machen, aber dafür fehlt mir die Zeit!”

Wir füttern unsere Zweifel und Ausreden, anstatt unsere Motivation, die Aufgabe anzugehen und zu lösen!

In meinem Beitrag “Stell Dir vor, Du liebst es auszumisten…” habe ich schon davon berichtet, was mich persönlich im Laufe der Zeit immer wieder motiviert hat, auszumisten. Bei mir funktioniert das super durch visuelle Inspiration: Wenn ich andere Wohnungen sehe, wenn ich durch Interior Feeds auf Instagram scrolle, dem schwedischen Möbelhaus einen Besuch abstatte oder sogar, wenn ich (alle paar Jahre mal) in einem teuren Hotel übernachte. Wenn ich in einem solchen Hotel ins Badezimmer gehe, fühle ich mich gleich wie in einem Spa. Dabei liegt es vermutlich nur daran, dass das Badezimmer so schön groß und aufgeräumt ist und die Handtücher so nett eingerollt in einem Körbchen stehen. Und tadaaaa: schon kann meine Seele entspannen, ganz einfach eigentlich…

Vielleicht funktioniert diese Art der Inspiration bei Dir aber nicht, weil Du Dich einfach nicht so für das Thema Einrichten interessierst? In diesem Fall (und natürlich auch generell) helfen Dir vielleicht die zwei unten stehenden Fragen weiter, die auch Marie Kondo (berühmter Ordnungs- und Ausmistcoach aus Japan) ihren Kunden zu Beginn ihrer Beratung immer stellt und die ich für sehr gutes “Motivationsfutter” halte:

1. Warum möchtest bzw. müsstest Du ausmisten? 

Ich könnte Dir jetzt zuvorkommen und antworten, dass Dir eine unordentliche Ecke, Schublade, Zimmer oder Schrank jedes Mal ein kleines bisschen Deiner Energie raubt. Jedes Mal, wenn Dein Blick dorthin fällt. Zumindest fühlt es sich für mich immer so an. Aber ehrlich gesagt, ich weiß nicht, ob das für alle Menschen so stimmt. Bei manchen habe ich das Gefühl, es sind die ausgeglichensten Menschen, die ich kenne, trotz des Chaos um sie herum. So jemand würde es also vermutlich gar nicht verstehen, warum er ausmisten sollte. Deshalb finde ich die Frage so wichtig: Warum möchstest Du ausmisten und möchtest Du überhaupt? Meistens liegen die Gründe auf der Hand, manchmal ist es nur ein leises Gefühl. Manchmal ist es vielleicht nur Dein Partner oder ein Familienmitglied und gar nicht Du selbst…?

Meiner Meinung nach gibt es neben den – ich nenne sie mal “Wohlfühlaspekten” – auch ganz viele pragmatische Gründe dafür, auszumisten. Vielleicht möchtest Du den unausweichlichen Umzug in eine noch größere Wohnung vermeiden oder eben nicht einen dieser Container mieten. Oder es ist Nachwuchs unterwegs und Du möchtest und kannst deshalb nicht sofort in eine größere Wohnung ziehen. Oder Du möchtest Dir ein Hobbyzimmer einrichten, um endlich wieder dem Hobby nachgehen zu können, für das Du Dir schon so lange nicht mehr Zeit genommen hast oder das Du vielleicht gerade wegen Platzproblemen nicht mehr weiter verfolgen konntest. Oder Du möchtest endlich wieder stolz Deine Freunde und Verwandten zum Essen zu Dir nach Hause einladen oder wieder ohne zu Stolpern durch den Keller laufen können. Vielleicht möchtest Du auch einfach nur mal wissen, von wem verdammt noch mal all die Klamotten in Deinem Kleiderschrank sind…

Mach Dir bewusst, warum Du ausmisten möchtest und halte die Gründe am besten schriftlich fest.

2. Was versprichst Du Dir vom Ausmisten?

Je nachdem, ob Du im großen Stil ausmisten möchtest oder nur Deinen Kleiderschrank – es könnte größere Auswirkungen auf Dein Leben haben, als nur ein befriedigendes Gefühl beim Öffnen der Schranktür… Überlege Dir deshalb, wie sich Dein Leben zum Positiven verändern könnte, wenn Du ausmisten würdest und halte auch das schriftlich fest. Wenn z.B. Nachwuchs unterwegs ist, heißt ein freies Zimmer mehr Privatsphäre für die Eltern und später für das Kind, ohne finanzielle Mehrbelastung, die eine neue und größere Wohnung mit sich bringen würde. Ein extra Hobbyraum bietet mehr Möglichkeiten, dem Hobby ungestört nachzugehen. (Wenn Du ebenso nähbegeistert bist, wie ich, dann weißt Du bestimmt, wie nervig es ist, wenn Du ständig die Nähmaschine auf- und abbauen musst, deshalb lässt Du sie im Zweifel da, wo sie ist: im Keller oder auf dem Dachboden.) Die Gelegenheit, Freunde wieder einladen zu können, verspricht vielleicht mehr Sozialleben und weniger Alleinsein, vielleicht auch mehr Selbstbewusstsein? Eine extra eingerichtete Ecke nur für Yoga lädt dazu ein, mehr Yoga zu machen und tatsächlich davon zu profitieren (mit Ruhe und Besinnung, anstatt nur Gymnastik zu machen). Wenn im Keller alles wieder zugänglich ist, erledigst Du auch andere halb fertige Projekte in der Wohnung oder im Garten, weil dann Werkzeug und Zubehör wieder leicht erreichbar ist oder weil Du dann weißt, was noch fehlt und besorgt werden muss. So hängen dann übrigens unerledigte Projekte oft untrennbar miteinander zusammen: weil eine Sache nicht erledigt ist, kann die nächste nicht fortgesetzt werden. Das ist bei der Steuererklärung und noch unsortiertem Papierkram nicht anders…

Ausmisten und die Beweggründe dafür sind meiner Meinung nach sehr individuell und ich glaube, dass jeder von uns anderes “Motivationsfutter” braucht. Manchmal kann auch ein Freund, Familienmitglied oder ein Ordnungscoach dabei helfen, die Beweggründe und damit auch die Motivation “herauszukitzeln”. Beim Ausmisten gibt es außerdem oft den „Der Hunger kommt beim Essen“ Effekt. Je mehr Du ausmistest, desto mehr WILLST Du ausmisten. Irgendwann läuft alles fast automatisch und macht sogar Spaß!

Ich hoffe, ich konnte Deinem Tatendrang zum Ausmisten etwas auf die Sprünge helfen. Dabei fällt mir noch ein ziemlich passender Werbespruch eines Baumarktes ein:

“Mach es fertig, bevor es Dich fertig macht!”

Stell Dir vor, Du liebst es auszumisten…

… haha, wirst Du jetzt denken, “Ich und Ausmisten, das ist wie Wasser und Öl, Eisbären und Pinguine, Rindersteak und Veganer.” Wenn meiner Mutter und mir vor 20 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einmal anderen Menschen beim Aufräumen ihrer Wohnung helfen würde, hätten wir wahrscheinlich ähnlich reagiert. Wir hätten denjenigen erst mit offenem Mund und staunenden Augen angeschaut, um gleich danach in schallendes Gelächter auszubrechen. Ich war so unordentlich oder ordentlich, wie wahrscheinlich fast alle Kinder und Teenager. Weshalb ich mit zunehmendem Alter vermehrt Spaß am Ausmisten, Aufräumen und Sortieren gefunden habe, weiß ich gar nicht mehr so genau. Aber ich bin davon überzeugt, dass es jedem so gehen kann…

Nachdem ich meine Ausbildung zur Modedesignerin beendet und drei Jahre in diesem Job gearbeitet hatte, wollte ich noch etwas Anderes lernen und entschied mich für ein Duales Studium zur Textilbetriebswirtin (also Praxisphasen in einer Firma und Theoriephasen an einer Schule/Uni). Es war klar, dass ich ständig umziehen müsste, da die Praxisphasen nicht in einem Headquarter, sondern in den Stores des Unternehmens in immer anderen Städten sein würden. Ich lagerte also fast meinen gesamten Haushalt in der Garage meines Vaters ein und zog immer nur mit dem Nötigsten um. Ich gewöhnte mich sehr schnell an die geringe Auswahl meiner Habseligkeiten und stellte irgendwann fest, dass ich mit diesem Wenig ziemlich gut klar komme. Das Einzige, was ich wirklich vermisst hatte und was auch heute noch einen Großteil meines Wohnungsinhaltes ausmacht, sind Stoffe zum Nähen und Dinge, die ich für’s Nähen und Schnitte machen und so generell zum kreativ sein brauche. Das Studium an sich hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Arbeit im Verkauf in den Filialen (Bekleidungsbranche) leider nicht so sehr. Ich habe viel lieber im Büro Ordner sortiert, ausgemistet und mir clevere Ablagelösungen einfallen lassen. Das hat sich übrigens wie ein roter Faden durch alle folgenden Bürojobs gezogen. Immer habe ich mir zuerst die Ordner vorgenommen und neu sortiert (was meine neuen Kollegen auch durchaus geschätzt haben), bevor es dann an die eigentliche Arbeit gehen konnte/musste.

Während des Dualen Studiums habe ich außerdem drei Monate bei meiner Mutter gewohnt. Sie lebte damals schon in Frankfurt und hatte (und hat bis heute) eine kleine Wohnung im Zentrum Frankfurts.

In ihrer Wohnung habe ich mich immer pudelwohl gefühlt. Das lag nicht nur daran, dass sie eben meine Mutter ist, sondern auch und vor allem daran, dass sie schlicht und einfach nicht viel Platz hat und ihre kleine Wohnung deshalb sehr ordentlich und klar eingerichtet ist. Gleichzeitig strahlt sie eine warme Gemütlichkeit aus.

Wir wussten beide, dass ich während meiner Zeit zur Zwischenmiete bei ihr gezwungen sein würde, meinen Ausbreitungs- und Liegenlasstrieb sehr zu kontrollieren und alles Benutzte nach Gebrauch gleich wieder aufzuräumen, ansonsten würden wir schnell Ärger miteinander bekommen. Meine Mutter und ich lieben uns sehr, aber in diesem Punkt ist mit ihr nicht zu spaßen. Unbewusst habe ich aber auch eingesehen, dass genau diese Ordnungsliebe von ihr dafür sorgt, dass ihre Wohnung so eine Ruhe und Wärme ausstrahlt. Ich strengte mich also an und ich glaube, wir sind in dieser Zeit kein einziges Mal aneinander geraten.

Als ich nach dem Dualen Studium dann wieder eine feste eigene Wohnung hatte, ist mir ein Buch in die Hände gefallen, das mich, glaube ich, ebenso nachhaltig geprägt hat und mich bis heute inspiriert:

“Simplicity” von Mark und Sally Bailey*.

Darin wird mit stimmungsvollen Fotos gezeigt, wie schön natürliche Materialien und Farben in Wohnungen wirken, wie man Gegenstände recyceln und upcyceln kann und wie charmant auch unperfekte und alte Möbel sein können. Das Buch vermittelt wunderschön, wie ästhetisch natürliche Farben und Materialien sind und machen auch Lust auf freie, unverstellte Stellen in der Wohnung. Die drei unteren Bilder sind aus diesem Buch.

aus dem Buch “Simplicity” von Mark und Sally Bailey

aus dem Buch “Simplicity” von Mark und Sally Bailey

aus dem Buch “Simplicity” von Mark und Sally Bailey

Ich hatte damals sowieso schon ein Faible für alte Gegenstände und Möbel. Ein Freund hat mich damals mit erhobenen Augenbrauen angeschaut, als ich ihm sagte, er müsse mir helfen, einen Schrank aus Norddeutschland abzuholen – einen “Schrank mit Seele”, den ich nach langem Suchen auf Ebay gefunden und ersteigert hatte. Wir sind dafür an einem Tag mehrere hundert Kilometer gefahren. Das hier ist er übrigens:

Meine Wohnungen waren auch noch nie sehr bunt eingerichtet, deshalb hat dieses Buch bei mir nur Öl ins Feuer gekippt. Und so habe ich dann auch weiterhin auf Ebay oder auf dem Flohmarkt nach Einrichtungsgegenständen und Möbeln “mit Seele” gesucht. Gleichzeitig habe ich immer wieder meinen eigenen Hausstand überdacht und selbst vieles auf Flohmärkten und Ebay verkauft. So haben sich in meiner Wohnung im Laufe der Zeit “Lieblingsstücke” und Dinge, die mir aus irgend einem Grund wichtig sind und mich an bestimmte Personen oder Momente oder Orte erinnern, vermehrt. Dinge, die mit der Zeit nicht mehr zu mir gepasst oder die ich nicht mehr gebraucht habe, sind weniger geworden.

Immer wenn ich von einer Sache zwei Varianten zur Verfügung habe, behalte ich die für mich wertvollere Variante und verkaufe oder verschenke die weniger „schöne“. Glücklicherweise ist “schön” sehr subjektiv und so findet sich meistens jemand, der genau das haben möchte, was ich nicht (mehr) haben möchte.

Vor nicht allzu langer Zeit ist mir dann noch ein anderes Buch in die Hände gefallen, das Du vielleicht auch schon kennst oder von dem Du zumindest schon gehört hast:

“Magic Cleaning” von Marie Kondo*.

Marie Kondo kommt aus Japan und ist Aufräumprofi. Das Buch ist letztlich eine Anleitung dafür, wie man seine Wohnung optimal ausmistet. Einige Methoden wirken etwas unkonventionell und fast schon esoterisch, aber meistens geht sie sehr strukturiert und rationell vor. Vieles in ihrem Buch hat mich bestätigt und ich war froh, zu lesen, dass in manchen Punkten noch jemand so verrückt ist, wie ich (Ich finde z.B. auch Verkaufsverpackungen fast immer hässlich und habe dann das Bedürfnis, den Inhalt in “schöne” Gefäße umfüllen zu müssen, siehe auch mein Beitrag zu den Gewürzgläsern. Marie Kondo hat da eine ganz eigene Meinung zu dem Thema Verpackungen, über die ich demnächst berichten werde). Ich denke, dass nicht alle Methoden von Marie Kondo für jeden geeignet sind. Grundsätzlich ist das Buch aber ein guter Leitfaden und auf einige Punkte werde ich auch in meinen Beiträgen eingehen.

Aufgrund meiner eigenen Geschichte bin ich davon überzeugt, dass jeder von uns Spaß am Ausmisten haben kann. Wir brauchen nur Inspirationsquellen, die uns eine Idee davon vermitteln, wie toll es aussehen und sich anfühlen könnte, in einer aufgeräumten Wohnung zu leben. In einer Wohnung, in der es nur Dinge gibt, die wir lieben und die uns Geschichten erzählen. Ausgedachte oder Wahre.

Jeder Möbelhauskatalog, jedes Foto auf Instagram, Pinterest oder Deiner Lieblingszeitschrift kann Dich dazu animieren, auszumisten und Deine Wohnung oder Dein Zimmer oder auch nur ein Regal oder Sideboard dadurch schöner, gemütlicher, freier und ordentlicher zu gestalten. Suche nach solchen Bildern und hänge sie irgendwo auf, wo Du sie ständig siehst! Jeder hat etwas Anderes, das ihn inspiriert. Als ich das Buch “Simplicity” damals ganz begeistert einer Freundin ausgeliehen habe, habe ich es mit einem etwas nüchternem: “Naja, das sind ja schon eher Möbel, die ich auf dem Sperrmüll liegen lassen würde” zurück bekommen. Etwas verdutzt, aber dankbar für ihre Ehrlichkeit ist mir dann klar geworden, welch unterschiedliche Vorstellungen wir alle von einer Traumwohnung und -einrichtung haben. Du kannst Dir auch eine Person schnappen, deren Wohnung Du schön findest und bei der Du Dich so wohl fühlst, wie ich es damals (und natürlich auch heute noch) in der Wohnung meiner Mutter getan habe. Frag’ sie, ob sie Dir Tipps geben kann. Oft sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht oder weiß nicht, wie man anfangen soll und dann ist ein neutraler Blick von außen unglaublich hilfreich. Wenn du möchtest, kann auch ich diese Person sein. Schreib’ mir gerne eine Nachricht. Je nachdem, was Du in Deiner Wohnung verändern möchtest, helfe ich Dir mit einem Plan zum Ausmisten oder den richtigen Fragen und Tipps zum richtigen Zeitpunkt. Damit Du bald in Deiner Traumwohnung oder Deinem Traumzimmer wohnst und Zeit und Energie für das hast, was Dir wirklich wichtig ist.

Hast Du auch ein Buch, eine Person oder ein Erlebnis, das Dich dazu gebracht hat, den inneren Schweinehund zu besiegen und Deine Wohnung oder auch nur den Kleiderschrank auszumisten? Was war es? Ich freue mich, wie immer, auf Deinen Kommentar!

* Ich bekomme kein Geld oder sonstige Vorteile von den von mir markierten oder verlinkten Unternehmen, Produkten oder Personen. Ich verlinke nur, wenn ich den Link inspirierend oder den Inhalt oder die Produkte nützlich im Zusammenhang mit meinem Beitrag finde.

Die Gläsersammlerin – für mehr Ordnung, Stil und Kreativität in der Küche

Manchmal klappert es in meiner Tragetasche. Das sind dann nicht immer nur leere Gläser und Flaschen, die ich dorthin zurück bringe, wo ich sie gekauft habe. Manchmal nehme ich leere Gläser auch mit nach Hause oder behalte sie. Um sie zu waschen und dann Gewürze, Kräuter, Mehl, Tees, Hülsenfrüchte und vieles mehr dort hinein zu füllen. Oder ich bringe sie zu Freunden, die mittlerweile auch schon sammeln. Eigentlich hatte ich mir anfangs einheitliche braune Apothekergläser für meine Küche gewünscht. Eine Internetseite*, wo es die in allen Größen und Formen gibt, hatte ich auch schon entdeckt. Da ich aber recht viele Apothekergläser gebraucht hätte, hätte die Anschaffung doch ein etwas zu großes Loch in meinen Geldbeutel gerissen. Außerdem hatte der Wunsch nach diesen Gläsern keine allzu hohe Priorität. Deshalb habe ich irgendwann angefangen, die leeren Gläser, in denen oft Tomatensoßen, Aufstriche, Obstmuse, Obstkonserven, Oliven etc. verkauft werden, für meine Lebensmittel wieder zu verwenden. Klassisches Upcycling: aus Verpackung wird dauerhafter Gebrauchsgegenstand. Ich habe mich insgeheim immer riesig gefreut, wenn ich ein neues leeres Glas hatte, in das ich wieder etwas umfüllen konnte.

Das konsequente Umfüllen von Lebensmitteln in verschließbare Gläser bietet aber nicht nur für ordnungsliebende Personen (wie mich) viele Vorteile:

  1. Insekten haben keine Chance, sich über angebrochene, halb verschlossene und in Vergessenheit geratene Verpackungen herzumachen und sich darin zu vermehren. (eklige Sache! wer von euch hat das auch schon mal erlebt?)
  2. Wenn die Gläser, wie bei mir zu Hause, auf oder in einem Regal stehen, siehst Du auf einen Blick, was vorrätig ist und was fehlt.
  3. Es sieht einfach schöner aus und ist praktischer, als ein Sammelsurium an halb und unglücklich geöffneten Plastik- und Papierverpackungen.
  4. Du wirst kreativer beim Kochen und Backen! Die Zutaten sind beim Öffnen des Schrankes oder beim Blick aufs Regal einfach präsenter und leichter zu erkennen. Sie inspirieren dazu, verwendet zu werden. Auch für Zubereitungen, für die man sie ursprünglich gar nicht gekauft hatte. Zusammengeknäuelte und in der hintersten Schrankecke verstaute Verpackungen inspirieren weniger zum Öffnen. Oft sieht man auch gar nicht mehr auf Anhieb, was eigentlich drin ist und so bleiben sie erst recht im Schrank liegen.
  5. Wenn Du, so wie ich, die Gläser nicht extra kaufst, sondern die leeren Gläser Deiner Lieblingstomatensauße oder Deines Lieblingsjoghurts benutzt, kommen die Aufbewahrungslösungen gratis mit dem Lebensmittel zu Dir nach Hause. Wenn dann doch mal ein Glas zu Bruch geht, ist es nicht so dramatisch und am nächsten Tag gibt es einfach wieder Spaghetti mit Tomatensoße!
  6. Die Gläser können einfach gewaschen werden. Die Beschriftung mit einem wasserfesten Stift kann, wenn der Inhalt aufgebraucht ist, mit einem rauhen Schwamm wieder entfernt und das Glas danach für eine andere Zutat benutzt werden. Ich stelle meine Gläser immer in die Spülmaschine. (Offiziell sind sie wahrscheinlich nicht spülmaschinenfest, da sie ursprünglich nur als “Verpackung”  gedacht sind und nicht als Gebrauchsgegenstand. Deshalb bitte nur auf eigene Gefahr in der Spülmaschine waschen.)
  7. Wenn die Gläser bei Dir auf oder in einem Regal stehen, sind die Gewürze, Kräuter und anderen Zutaten mit ihren verschiedenen Formen und Farben nicht nur nützlich, sondern gleichzeitig eine natürliche und selbstverständliche Küchendeko!
  8. Natürlich gibt es unbestritten Unmengen von richtig tollen Aufbewahrungsdosen auf dem Markt. Auch im schwedischen Möbelhaus kann man für wenig Geld richtig viele von den schönen Gläsern mit Bügelverschluss oder anderen Formen kaufen. Bei mir persönlich schwankt aber die benötigte Anzahl von Gläsern und deren Größen ständig, so dass ich froh bin, nicht alle Gläser immer aufbewahren zu müssen, was viel Platz benötigen würde. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich zu viele unbenutzt in meinem Schrank stehen habe, gebe ich einfach ein paar in den Glascontainer. So bleibe ich flexibel mit meinem Stauraum in der Küche.
  9. Die Gläser können auch für viele andere Zwecke verwendet werden. Als Blumenvase, plastikfreie “Tupperdose”, Sprossenglas und vieles mehr.
  10. Glas ist geruchlos und geschmacksneutral und lässt sich heiß waschen. Ein Glas, in dem ihr z.B. Kurkumapulver (was stark färbt) aufbewahrt, wird also auch nach der Benutzung und dem Waschen ein farbloses und geschmacksneutrales Glas sein, allerhöchstens die Deckelinnenseite wird einen leichten Gelbstich davon tragen. Bei Plastikbehältern gehen einige Gewürze leider nicht so spurlos am Material vorbei. Und umgekehrt geht das Plastik wahrscheinlich auch nicht spurlos am Inhalt vorbei.
  11. Egal ob Du ein passionierter Hobbykoch bist und jeden Tag den Kochlöffel schwingst oder Dich nur ein Mal in der Woche an den Herd stellst: es sieht immer aus, als ob Du ein versierter Profikoch wärst, wenn die Zutaten in Reih und Glied in Deiner Küche stehen.
  12. Wenn Du einen Unverpackt-Laden in der Nähe hast, nimmst Du einfach die leeren Gläser mit und brauchst zu Hause überhaupt nichts mehr umfüllen. Außerdem weißt Du dann gleich, was Du kaufen musst und wie viele Gläser Du mitnehmen musst.

Und hier noch ein paar praktische Tipps:

  1. Bei sehr vielen Zutaten, die untergebracht werden wollen, bleibt die Gesamtoptik ruhiger, wenn die Gläser nicht alle total unterschiedlich aussehen. Ich hatte anfangs neben den Gläsern mit goldenem Deckel auch Einmachgläser mit Bügelverschluss in verschiedenen Formen benutzt, aber ab einer gewissen Anzahl von Gläsern wurde es mir zu wuselig, deshalb habe ich mich letztlich für wenige Größen und Formen entschieden. Ich finde es auch viel schöner, wenn die Deckelfarbe einheitlich und ohne Herstellerbeschriftung ist.
  2. Gewürze und Kräuter verlieren im Laufe der Zeit und unter Lichteinwirkung ihr Aroma. Wenn ihr also Feinschmecker seid und nicht so oft kocht, sind braune Gläser oder ganz lichtundurchlässige Behälter wahrscheinlich die bessere Wahl. Sie schützen die Aromen zumindest vor dem Licht, wenn auch nicht vor dem Lauf der Zeit. Mir persönlich macht ein eventueller Aromaverlust nicht allzuviel aus und ich liebe die Optik der Gewürze in den klaren Gläsern, deshalb belasse ich es erst einmal so. In einer Schublade oder im Schrank aufbewahrt, erübrigt sich natürlich dieses Thema.
  3. Ich beschrifte die Gläser immer mit einem wasserfesten weißen Edding auf dem Glas. Wer keinen Platz hat, die Gläser auf Regalböden zu stellen, der kann sie auch in Schubladen stellen und den Deckel beschriften. Da die Deckel meist auf irgendeine Art beschichtet sind, vermute ich, dass es dann allerdings nicht so einfach ist, die Beschriftung mehrfach zu entfernen, ohne der Beschichtung des Deckels zu schaden. Meine Mutter bewahrt ihre Gewürzgläser auch in Schubladen auf und ich habe ihr dazu mal ganz viele selbstklebende Etiketten für die Deckel gemacht. Sie wäscht dementsprechend immer nur die Gläser und wischt die Deckel nur aus.
    Falls ihr an der Vorlage für die Etiketten interessiert seid, schreibt mir einfach eine Nachricht, dann schicke ich sie euch. Die neun Etiketten oben sind nur eine kleine Auswahl, insgesamt sind es über 40… (Die einzelnen Zeichnungen sind aus dem Internet zusammengesucht, das Layout ist von mir) Alternativ könnt ihr die Beschriftung auch mit einem Etikettenprägegerät machen, ich finde die Optik dieser Textstreifen auch ganz schön. Wenn Du eine kleine Küche und so wie ich, keine Dunstabzugshaube hast, ist es unter Umständen auch deshalb schon sinnvoller, die Gläser in Schubladen aufzubewahren, da sie sonst schnell fettig werden und öfter gereinigt werden müssen.
  4. Das spricht übrigens auch dafür, schon beim Kauf von Lebensmitteln kleinere Einheiten zu wählen, dann sind die Gläser schneller leer und man kann sie zwischendurch einfach mal waschen. Auch das Problem des Aromaverlustes ist damit behoben. Da ich die meisten meiner Gläser oft in Benutzung habe und sie sowieso vor jeder Neubefüllung in die Spülmaschine stelle, haben sie keine Chance, fettig zu werden.
  5. Absolut keinen Platz in der Küche? Dann könnte Ausmisten (dazu in einem anderen Beitrag mehr) schon eine Lösung sein. Wenn das auch nicht hilft, benutze die Türen Deiner Küchenschränke, um dort schmale Halterungen für Gewürzgläser anzubringen. Eine andere tolle Idee, die ich schon öfter im Internet gesehen habe, ist es, die Deckel der Schraubgläser unter einem Regal anzuschrauben. Dann hängen die Gläser unter dem Brett. Der Vorteil ist, dass sie dort kaum staubig werden dürften. Sei aber sicher, dass das Brett, bzw. die Wand, die das Brett trägt, das Gewicht der Belastung von oben und unten dann noch aushält.
  6. Eine Firma, die das Upcycling Potential ihrer Glasflaschen schon länger erkannt hat und sogar zusätzlich online bestellbare Flaschenaufsätze anbietet, ist True Fruits*

Ich hoffe, ich habe Dir Lust darauf gemacht, Deine Nahrungsmittel und Gewürze wieder mehr in den Mittelpunkt des (Koch-)Geschehens zu rücken. Oder fürchtest Du, Deine Küche ist ein hoffnungsloser Fall? Oder hast Du selbst schon die optimale Lösung für Dich und Deine Küche gefunden? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

* Ich bekomme kein Geld oder sonstige Vorteile von den von mir verlinkten Unternehmen. Ich verlinke nur, wenn ich den Link inspirierend oder den Inhalt oder die Produkte nützlich im Zusammenhang mit meinem Beitrag finde.