Kategorie: Fashion

Bring frischen Wind in Deinen Kleiderschrank! Von klassisch zu verspielt sommerlich – Upcycling einer Bluse

Jeder Sommer hat auch Regentage. Perfekt, um sich in dieser Zeit auf die nächste Hitzeperiode vorzubereiten – mit einem Blusen Upcycling! Ich wette, Du hast auch einige Blusen in Deinem Kleiderschrank, die Du gar nicht oder nur ganz selten (der Quote wegen) anziehst. Was, wenn Du aus einem dieser Kleiderschrankpenner wieder einen Renner machst? Blusen (oder auch Männerhemden) eignen sich super, um daraus neue Kleidungs- und Lieblingsstücke zu machen.

Die Bluse aus diesem Beitrag ist von meiner Oma. Die Oma, die Du vielleicht schon in meinem Beitrag über die Blumen für die Wand auf dem Schwarz- Weiß Foto gesehen hast. Ich habe überlegt, ob ich Dir kurz über die Hintergrundgeschichte berichte, da sie eigentlich traurig ist. Und Trauriges will man ja eigentlich nicht lesen. Aber ich erzähle es doch, denn es würde mir komisch vorkommen, wenn ich es nicht täte. Meine Oma ist Anfang letzten Jahres gestorben. Sie ist sehr alt geworden und der erste Mensch in meinem nahen Verwandten- und Bekanntenkreis, von dem ich mich für immer verabschieden musste. Als es dann darum ging, dass ihre Wohnung aus- und aufgeräumt werden musste, habe ich sofort meine Hilfe angeboten, da ich natürlich wusste, dass ich Schätze finden würde, die es zu retten galt. Im Kleiderschrank habe ich dann ein paar Dinge gefunden, von denen ich mir vorstellen konnte, dass ich sie noch für das eine oder andere Upcycling Projekt verwenden könnte. Ich bin auf jeden Fall glücklich, dass ich nun teilweise sogar die Sachen meiner Oma weitertragen kann, das gibt mir ein tolles Gefühl! So ist sie immer noch ein bisschen mehr bei mir.

So, nun aber genug der Vorworte, auf geht’s zum Nähen! Damit ihr euch in der Anleitung nicht verliert und je nachdem, welche Anpassungen ihr machen müsst oder überspringen könnt, hier eine kleine Inhaltsangabe

1. Vorbereitung – Schnittanpassung

Schönheitskorrekturen

Passform optimieren

Nähbasics: Abnäher nähen

Armloch anpassen – Schultern schmaler machen

2. Ärmelschnitt konstruieren  – Volants

3. Ärmel einnähen und Kantenverarbeitung

Nähbasics: Kantenverarbeitung bei runden Stoffteilen

1. Volant einnähen

2. Volant einnähen

Armlochkante versäubern

1. Vorbereitung – Schnittanpassung

Schönheitskorrekturen

So sah sie aus die Bluse, ich hätte fast vergessen, ein Foto von der Stickerei, die oben rechts auf Brusthöhe angebracht war, zu machen, deshalb siehst Du sie hier nur in Nahaufnahme und schon teilweise aufgetrennt. Zum Thema Stickerei abtrennen kann ich nur sagen: Obacht! ganz schnell hat man in den Stoff geschnitten oder die Gewebefäden verletzt. Gerade industriell gefertigte Stickereien sind unglaublich fest und dicht, da muss man Geduld haben, ansonsten macht man schnell mehr kaputt, als man möchte. Nachdem die Stickerei dann entfernt war, hätte ich die Bluse eigentlich schon so belassen können. Ich wollte aber auch die Stickerei am Ärmel entfernen und da hat es eben nicht so gut geklappt. Dort sind zu viele Gewebefäden kaputt gegangen. Erst hatte ich überlegt, einen Patch drüber zu nähen, aber letztlich habe ich mich dazu entschlossen, etwas ganz anderes aus den Ärmeln zu machen, nämlich Volants!

Dafür mussten dann aber erst einmal die Ärmel ab- und aufgetrennt werden:

Hinweis zur Passform: Die Bluse oder das Hemd, das Du abwandeln möchtest, sollte Dir bereits schon recht gut passen und körpernah sitzen. Bei einer zu weit sitzenden Bluse oder Hemd würden die Volantärmel am Ende sonst eventuell komisch aussehen. Kleine Passformverbesserungen sind natürlich noch möglich:

Passform optimieren

Ein bisschen enger sollte meine Bluse noch werden, deshalb habe ich die Seitennaht neu abgenäht:

Hierbei solltest Du folgendes beachten: Grundsätzlich sollte beim Nähen einer neuen Seitennaht der Saum ein Stück aufgetrennt, die neue Seitennaht genäht, die Nahtzugabe versäubert und der Saum wieder umgenäht werden.

Wenn allerdings die Steigung des Saumes an der Seitennaht sehr steil wird, solltest Du den Saum besser nicht auftrennen, sondern einfach über den umgeschlagenen Saum bis zur Saumkante nähen. Das ist zwar nicht die eleganteste Variante, aber einfacher, als die “offizielle”.

Bei der offiziellen Variante müsstest Du die Nahtzugabe des Saumes wie auf dem Foto skizziert zuschneiden, also mit einer Schnittkante, die rechtwinklig zur späteren fertigen Saumline verläuft. Diese Weite brauchst Du beim Umschlagen des Saumes, wenn der Saum nicht im rechten Winkel zur Seitennaht verläuft, sondern schräg, wie in meinem Beispiel. Bei mir hat es auch ohne extra Zuschnitt gerade noch so gereicht, dass ich die Nahtzugabe für den Saum im Verlauf der Ecke mitfassen konnte.

Nähbasics: Abnäher nähen

Abnäher dienen dazu, einem Kleidungsstück den Körperformen und -rundungen anzupassen. Abnäher sind Stofffalten, die von der Schnittkante her abgenäht werden und in einem Punkt im Kleidungsstück auslaufen. Das sieht dann aus wie eine Tüte. In Blusen können Abnäher aus allen möglichen Richtungen kommen, das Wichtige ist, dass sie immer im oder in der Nähe des Brustpunktes, also der höchsten Stelle der Brust, enden.

Ich hatte bei der Anprobe das Gefühl, ein Abnäher, der aus dem Armloch kommt und dort ein bisschen Weite wegnimmt, kann nicht schaden. Am besten steckt man Abnäher direkt am angezogenen Kleidungsstück mit Stecknadeln ab. Es reicht, dies auf einer Seite zu machen.

Dann markiert man sich auf der linken Seite des Stoffes die zusammentreffenden Stoffkanten sowie den Brustpunkt und öffnet den Abnäher wieder.

Die Linien sind dann wahrscheinlich etwas krumm und schief aber das Wichtigste sind drei Punkte: die beiden Punkte, die die Breite des Abnähers definieren und der Brustpunkt. Verbinde den Brustpunkt jeweils mit den beiden anderen Punkten. Da in meiner Bluse auch Taillenabnäher sind, habe ich das obere Ende des Taillenabnähers als Referenzpunkt für meinen Brustabnäher genommen. Ich habe auf demselben Blusenstreifen den Brustpunkt markiert, nur 6 cm weiter oberhalb.

Jetzt musst Du den Abnäher nur noch auf die andere Blusenhälfte übertragen. Das geht am Einfachsten, wenn Du beide Blusenhälften genau aufeinander legst und mit einem ganz kleinen Scherenschnitt in die beiden Abnäherpunkte im Armloch schneidest. Den Brustpunkt kopierst Du, indem Du eine Stecknadel durch beide Stoffhälften steckst (Achtung: nicht schräg, sondern senkrecht) und Dir mit einem Stift den Einstichpunkt auf der anderen Blusenhälfte markierst.

Oder Du misst alles ab (am besten von der Seitennaht aus), und überträgst die Maße auf die andere Blusenhälfte.

 

Dann nähst Du die Abnäher vom Armloch kommend zu und lässt die Naht auf den Brustpunkt hin auslaufen. In diesem Fall wird das Ende nicht vernäht, sondern die Fäden lang gelassen. Sichere das Ende mit drei Knoten und schneide die Fäden auf ca. 1 cm ab. Sollte sich der Abnäher nicht hundertprozentig so legen lassen, wie Du es geplant hast, dann variiere mit dem Legen der Falte etwas. Hauptsache, der Abnäher liegt glatt und wirft selbst keine Falten. Beachte aber, dass Du die gleiche Toleranz dann auch dem anderen Abnäher gibst.

Den Abnäher dann in Richtung Saum nach unten bügeln.

Es kann sein, dass der Verlauf des neuen Armlochs dann etwas ungleichmäßig ist. Am besten achtest Du schon beim Abstecken am Anfang darauf, dass der neue Armochverlauf durch den Abnäher keine “Stufen” hat. Ich habe mein Armloch am Ende mit der Schere begradigt.

Armloch anpassen – Schultern schmaler machen

Es kann ein, dass die Schultern Deiner Bluse etwas zu weit sind, so wie bei mir. Zeichne in dem Fall einfach eine neue Linie im Vorder- und Rückenteil der Blusen und passe das Armloch so an. Pass auf, dass Du nicht zu viel wegschneidest. Das weggeschnittene Teil der einen Seite kannst Du dann als “Schablone” für die andere Seite benutzen.

Jetzt sind alle Passformanpassungen gemacht und wir können mit dem Ärmel weitermachen!

2. Ärmelschnitt konstruieren – Volants

Grundsätzlich soll der Ärmel am Armloch glatt angenäht werden können, also die gleiche Weite wie das Armloch selbst haben. Zum “Ärmelsaum” hin sollte er dann maximale Weite bekommen. Dafür ist als Grundkonstruktion ein Kreis ideal.

Der erste Kreis entspricht dem Umfang Deines Armlochs (Schnittkante des Armlochs von Vorder- + Rückenteil). Ich wollte, dass die Volants im unteren Armlochbereich schmaler werden und ein Stückchen vor der Seitennaht enden, deshalb habe ich von meinem gemessenen Armlochumfang 10 cm abgezogen. Diesen habe ich dann zur Radiusberechnung verwendet.

1. Kreis: Nachdem Du Deinen Radius mit der Formel Radius = gewünschter Armlochumfang / 2∏ errechnet hast, zeichnest Du mit dem Zirkel einen entsprechenden Kreis.

Der zweite Kreis entspricht dann der Volantbreite plus Nahtzugaben.

2. Kreis: Dann addierst Du zum Radius des ersten Kreises Deine gewünschte Volantbreite + 1-2 cm Nahtzugabe (an Armloch und an der Volantkante jeweils 0,5 -1 cm) und zeichnest den zweiten Kreis mit demselben Mittelpunkt.

Beachte auch, dass der Stoff, den Du von Deinem aufgetrennten Ärmel zur Verfügung hast, eine begrenzte Fläche ist, die es gut auszunutzen gilt. Überlege Dir vorher, ob Du z.B. nur einen Volant als Ärmel haben möchtest oder zwei, so wie ich. Auch deshalb habe ich den Armlochumfang etwas reduziert, da ich befürchtet hatte, sonst nicht genügend Platz auf dem Stoff des Ärmels zu haben.

Da ich einen Volant wollte, der sich zum Armloch hin verjüngt, habe ich die entsprechende Form in den Schnitt eingezeichnet (rot umrandet). Du kannst dabei das Papier horizontal in der Mitte falten, dann musst Du nur eine Hälfte zeichnen und beide Hälften sind nach dem Ausschneiden symmetrisch.

Dann schneidest Du also Dein Schnitte zu und legst es (am besten im Fadenlauf, also parallel zur Webkante) auf Deinen alten Ärmel:

Meinen zweiten Volant wollte ich nicht genau gleich zuschneiden wie den ersten. er sollte etwas weiter in das Armloch hineinlaufen und dafür aber eine schmalere Volantbreite haben. Ich habe also meinen Schnitt noch einmal angepasst. (Dabei das Schnitzel wieder zur Hälfte falten)

  1. weiteres Armloch: Je mehr Fläche vom inneren Kreis weggenommen wird, desto länger wird die innere Schnittkante (rot), das heißt desto weiter kann der Volant in das Armloch hineinlaufen
  2. schmalere Volantbreite: dadurch, dass ich vom inneren Kreis etwas wegnehme reduziert sich automatisch auch die Volantbreite (schwarz)

Wie ihr hier seht, habe ich übrigens die Nahtzugabe in meinem Schnitt gar nicht beachtet. Wenn man nicht genau arbeiten muss, ist das in Ordnung. Mit Nahtzugabe lässt es sich am Ende aber leichter und genauer nähen.

Dann habe ich also das abgeänderte Schnittteil wieder auf den Ärmel gelegt, dieses Mal aber im  schrägen Fadenlauf (also 45 ° zum Fadenlauf), denn ich wollte, dass beide Volants etwas anders fallen und somit mehr “Walla- Walla” machen. Wie ihr seht, war das alles eine knappe Geschichte, ich hatte also keinen Platz für Nahtzugaben.

Dann hatte ich also vier Ärmelteile und nun geht es um die Frage: Wie versäubere ich die Volantkanten? Diese Frage solltest Du Dir beantworten, bevor Du die Volants in das Armloch einnähst, zumindest dann, wenn die Volantkanten in das Armloch hineinlaufen wie bei mir. Wenn Du einen normalen Volant, der überall die gleiche Breite hat, konstruiert hast, kann Du Dir darüber auch nach dem Einnähen in den Ärmel Gedanken machen. Auch bei der Kantenverarbeitung mit Spitze kannst Du zumindest den oben liegenden Volant auch erst zum Schluss in einem Rutsch mit der unteren Armlochkante “versäubern”.

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3. Ärmel einnähen und Kantenverarbeitung

Zuerst hatte ich die Idee, auf die Kanten Spitze oder schlichte Bänder zu nähen. Da ich mich nicht entscheiden konnte, habe ich eine Umfrage bei Facebook und Instagram gestartet.

Ich hatte zu dem Zeitpunkt nur jeweils einen Volant pro Ärmel zugeschnitten, weil ich mir erst über die Kantenverarbeitung und den noch zu benötigten Stoff im Klaren sein wollte. Das eindeutige Ergebnis der Umfrage war übrigens: Spitze! Ich habe also voller Tatendrang meinen zweiten Volant zugeschnitten, nur um dann festzustellen, dass….. mir die Spitze und auch das andere Band gar nicht für vier Volants reicht! Ich würde sagen, typischer Blogger-Anfänger-Fehler *räusper* Nun gut, die zwei Volants pro Ärmel waren mir letztlich wichtiger, als die Spitze und extra neue Spitze kaufen wollte ich nicht, denn ich möchte ja MORE out of l e s s machen und nicht etwas Neues kaufen, wenn es nicht wirklich nötig ist.

Nähbasics: Kantenverarbeitung bei runden Stoffteilen

Ich möchte euch gerne vier Varianten der Kantenversäuberung bei kreisförmigen Schnitteilen vorstellen:

1. Saum umnähen: das klappt nur sehr eingeschränkt und mit Fummelei, da die Schnittkante einer längeren Strecke, also mehr Stoff, entspricht als der Strecke 1 oder 2 cm innerhalb der Schnittkante (dorthin, wo sie ja umgeschlagen wird). Es ergibt sich also beim Umschlagen eine Mehrweite, dort, wo ihr dann den Saum festnähen wollt. Je größer die Nahtzugabe wird, desto schwieriger wird das Festnähen des Saumes ohne automatisch kleine Fältchen einzunähen.

2.  mit Aufnähen von Bändern die Schnittkante sichern und “verstecken”: diese Option war mein Favorit, bis ich gemerkt habe, dass ich nicht genug Bänder für vier Volants (zwei pro Seite) habe. Wenn Du Dich für diese Variante entscheidest, musst Du den breiteren , also später unten liegenden Volant VOR dem Einnähen ins Armloch mit dem Band versehen. Auf den “oberen”, schmaleren Volant wird erst NACH dem Einnähen ins Armloch die Spitze in einem Rutsch auf den Volant und die Kante des Armlochbereichs genäht.

3. den Saum mit dem Rollierfüßchen Deiner Nähmaschine umnähen: das ist eine Option, wenn die oberen beiden Optionen wegfallen und Du keine Overlock Maschine hast. Jede Nähmaschine hat ein Rollierfüßchen, damit lassen sich feine Säume wunderbar nähen. Bei Rundungen wird es auch damit etwas fummelig, aber nicht unmöglich. Ich habe es bei meinen Volants auch einmal probiert und das ist das Ergebnis:

Die Vorderseite sieht schön gleichmäßig aus und hat kaum Fältchen.

Die Rückseite ist etwas faltiger, da es schwierig wird, die Rundung in der Führung des Nähfüßchens zu behalten.

Die Ärmelkante hat durch diese Verarbeitung sogar etwas mehr Stand.

4. mit der Rollsaumfunktion der Overlock Maschine: das ist eine sehr einfache und saubere Option, die ich dann letztlich auch verwendet habe.

Wenn Du auch Streifen in Deiner Bluse hast, oder es eine eindeutige linke und rechte Stoffseite gibt, ist es wichtig, dies VOR dem Versäubern der Kanten zu beachten.

 

1. Volant einnähen:

Ich habe zuerst den kürzeren breiten Volant in das Armloch genäht. Dafür die Mitte des Volants markieren, dies habe ich als Ansatzpunkt für die Schulternaht verwendet (auch wenn das vordere und hintere Armloch nicht gleich lang ist). Dann am Armloch rechts auf rechts feststecken:

Ich hatte ja anfangs keine Nahtzugaben einkalkuliert. In diesem Fall ist es am besten, wenn Du die Spitzen des Volants einfach in die Nahtzugabe des Armlochs auslaufen lässt (meine rot gestrichelte Linie)

Wenn Du eine Nahtzugabe einkalkuliert hast, dann nähst Du die Volants einfach mit der kalkulierten Nahtzugabe ein und verriegelst an der Stelle, an der die Volantbreite mit 0 cm auf Deine Nahtzugabenweite trifft.

 

2. Volant einnähen:

Beim zweiten Volant markierst Du Dir ebenfalls die Mitte und nimmst diese wieder als Schulteransatzpunkt Deiner Bluse. Dieses Mal steckst Du den Volant links auf links am Armloch fest und nähst entweder genau in der vorherigen Naht oder etwas weiter daneben (Richtung Volant), damit man später die erste Naht nicht sieht.

Deine Nahtzugabe im Armloch müsste jetzt wie ein Sandwich aus drei Lagen bestehen: Volantsschnittkante – Armlochschnittkante – Volantschnittkante.

Armlochkante versäubern:

Jetzt versäuberst Du diese Schnittkante mit einem ZickZack Stich oder der Overlock Maschine.

Jetzt geht es noch darum, dass wir die Schnittkanten des unteren Armlochbereiches, die nicht später von den Volants verdeckt werden, so verarbeiten, dass Overlock- oder ZickZacknähte nicht mehr sichtbar sind. Ich habe mich für einen Schrägstreifen entschieden, den ich gerade noch so aus dem Ärmel zuschneiden konnte.

Dazu schneidest Du zwei Schrägstreifen (im 45° Winkel zur Webkante) zu. Die Breite sollte 4x Deiner Nahtzugabe, die Du für das Einnähen der Volants kalkuliert hast, entsprechen. Die Länge sollte so lang wie möglich sein, maximal natürlich Dein Armlochumfang. Achte darauf, dass der Schrägstreifen lang genug ist, um den unteren sichtbaren Armlochbereich abdecken zu können.

Die Kanten zur Mitte hin Bügeln, die Enden begradigen und dann noch einmal zur Hälfte bügeln. Für das Einnähen habe ich die “quick&dirty” Variante verwendet, d.h. der Schrägstreifen wird einfach nur um die zu versäubernde Kante geschlagen und fest genäht. Hierbei achte ich dann immer darauf, dass ich den Schrägstreifen nicht exakt auf die Hälfte bügele, sondern ca. ein Millimeter der unteren Kante zu sehen bleibt. Diese liegt beim Einnähen des Streifens unten, so bin ich mir sicher, dass ich den Schrägstreifen komplett mitfasse.

Danach bügelst Du die Volants nach außen und steppst sie knappkantig ab.

 

Und fertig ist die Verwandlung eurer Bluse von der Raupe zum Schmetterling!

Ich würde mich sehr über ein Feedback freuen, ob die Anleitung verständlich war oder Du mit etwas Probleme hattest. Ich freue mich natürlich auch riesig, wenn Du ein Foto Deiner fertig verwandelten Bluse bei Instagram oder Facebook mit dem Hashtag #schmetterlingundraupe postest.

Upcycling – Overdye mit Schwarzem Tee – meine Erfahrungen und inspirierende Blogbeiträge zum Thema Färben mit Pflanzen

Falls ihr direkt zum eigentlichen Färbeergebnis und -experiment springen wollt, dann klickt einfach hier. Falls ihr wissen möchtet, was mich dazu inspiriert hat und zwei andere tolle Blogs kennenlernen möchtet, dann lest einfach weiter…

Der Ursprung zu dieser Idee kam mir eigentlich durch meine Neurodermitis. Bei Neurodermitis sollen ja Umschläge mit schwarzem Tee wegen der darin enthaltenen Gerbstoffe beruhigend und entzündungshemmend wirken. Leider ist bei mir die Wirkung größtenteils ausgeblieben, aber ich fand den beigen Ton, der dabei an meinem weißem Handtuch entstanden ist, sehr schön. Damals wurden außerdem meine weißen Handtücher trotz Kochwäsche nicht mehr richtig weiß, denn ich vertrage wegen meiner Neurodermitis keine Vollwaschmittel mit optischem Aufheller, deshalb kam ich dann auf die Idee, meine Handtücher einfach alle mit schwarzem Tee beige zu färben. (Kurz darauf habe ich dann aber doch noch eine Möglichkeit gefunden, die Wäsche haut- und umweltschonend weiß zu bekommen, aber davon berichte ich euch in einem anderen Beitrag. Die Idee, meine  Handtücher beige zu färben, wurde also erst mal begraben.) Dann habe ich ein paar Monate später einen Blogbeitrag von Woodlark entdeckt, in dem sie davon berichtet, wie sie Stoffe und T-Shirts ebenfalls mit schwarzem Tee gefärbt hat.

https://woodlarkblog.com/natural-dyeing-with-tea/

https://woodlarkblog.com/natural-dyeing-with-tea/

Und wieder habe ich mich in den beigen Ton verliebt, der dabei entstanden ist.

Parallel habe ich bei einem anderen meiner Lieblingsblogs, Heimatbaum, von Pepper Schmidt, außerdem einen Beitrag gelesen, in dem sie davon berichtet, wie sie weiße Mulltücher mit Avocado gefärbt hat! Dabei entsteht ein ganz toller altrosé Ton:

https://www.heimatbaum.com/faerben-mit-avocado-diy/

https://www.heimatbaum.com/faerben-mit-avocado-diy/

Genug Inspiration und Motivation also, um die Idee doch wieder aufleben zu lassen. Dieses Mal aber sollten es nicht die Handtücher sein, sondern meine pfirsich-bonbon-farbene Chino, die irgendwie so langsam aus der Mode gekommen ist, die ich aber dennoch noch nicht wegschmeißen wollte, weil sie so unglaublich bequem ist und sich super gehalten hat. Ich habe mir überlegt, dass ich sie viel wahrscheinlicher wieder anziehen würde, wenn die Farbe nicht mehr so bonbonmäßig wäre, wie hier noch auf dem Foto zu sehen:

Da kam mir die Idee, sie mit schwarzem Tee zu überfärben. Da ich keinen schwarzen Tee trinke und die positive Wirkung auf die Neurodermitis ja leider ausblieb, hatte ich also schwarzen Tee übrig. Das Ergebnis ist, da es ja nur ein “Overdye” ist, nicht ganz so extrem, als wenn ich weißen Stoff gefärbt hätte, aber im Vergleich doch deutlich erkennbar und ich finde den herbstlichen, erdigen roséfarbenen Ton, der dabei entstanden ist, richtig schön (Die Lichtverhältnisse waren bei beiden Aufnahmen annähernd gleich).

Ich habe es auch mit einem anderen Stoff probiert, den Du auf den folgenden Fotos im Färbeeimer sehen wirst, allerdings ist dieser Stoff aus Synthetikfasern und mir war eigentlich klar, dass das Färbeergebnis nicht gut ausfallen würde. Leider hat sich das bestätigt. Die Färbung ist auf diesem Stoff recht fleckig geworden. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal darauf hinweisen:

Verwende nur Stoffe oder Bekleidung aus pflanzlichen Naturfasern , also Baumwolle oder Leinen (das Färben mit Wolle und Seide ist, soweit ich weiß, noch mal eine andere Geschichte, hier habe ich noch keine Erfahrungswerte). Synthetische Fasern nehmen Farbstoffe nicht mehr gut und gleichmäßig auf und werden höchstwahrscheinlich fleckig.

Berücksichtige auch, dass die “Kleinteile” an fertiger Bekleidung, wie Knöpfe, Steppnähte, Stickereien, Reißverschlussbänder etc. die Farbe ganz anders, also wahrscheinlich gar nicht oder viel weniger aufnehmen werden, wie der “Hauptstoff” aus dem euer Kleidungsstück gemacht ist, da diese Nähzutaten auch oft aus synthetischen Materialien hergestellt sind.

Ich habe mich beim Färben hauptsächlich an Woodlarks Anleitung gehalten und möchte meine Vorgehensweise und das Resultat mit Dir hier teilen. Vielleicht inspiriert mein Beitrag oder der  Beitrag der beiden anderen Bloggerinnen Dich ja auch, ein paar Deiner Kleidungsstücke, die Du eigentlich schon in der Altkleidersammlung gesehen hast, mit anderen Augen zu betrachten und es auf einen Versuch ankommen zu lassen…

Was Du brauchst:

  • schwarzen Tee, ca 150 g sollten es sein, je nach gewünschter Intensität (Beutel oder lose ist egal)
  • Essigessenz (ich habe drei Flaschen auf einen Eimer Wasser, der ca. 15 Liter fasst, benutzt)
  • das zu färbende Textil
  • einen Topf, um den Teesud herzustellen
  • einen Eimer oder großen Emailletopf, in dem Du das Textil erst in der Essiglösung und später in dem Teesud  ziehen lassen kannst

Und so gehst Du vor:

  1. Textil in Essigwasser einweichen

Dazu kippst Du die drei Flaschen Essigessenz mit Wasser in den Eimer oder Topf und lässt es zusammen mit Deinem Textil ein paar Stunden (am besten über Nacht) einwirken. Dem Blog von Woodlark zufolge hilft das den Textilfasern, die Farbe später besser aufzunehmen. Ich habe auch schon Blogbeiträge gelesen, bei denen ohne vorheriges Einweichen in Essiglösung gefärbt wurde. Ich weiß nicht, ob das wirklich nötig ist, aber ich denke bei schwarzem Tee macht es allein deshalb Sinn, weil dann nicht dieser Film auf der Wasseroberfläche entsteht, der durch kalkhaltiges Wasser verursacht wird. Das könnte eventuell zu ungleichmäßigen Färbeergebnissen führen.

Bevor ihr dann die Essiglösung wegkippt, überlegt, welche Haushaltsgeräte eventuell mal eine Entkalkung bräuchten und verwendet sie einfach dafür. Ich habe meine Essiglösung z.B. in Wasserkocher, Spülmaschine und Waschmaschine gekippt und mal eben von Kalkresten befreit.

2. Teesud kochen

Dann kocht ihr den Tee wie gewohnt und lasst ihn eine Weile ziehen. Lasst ihn aber nicht kalt werden, ich denke, je heißer das Wasser noch ist, desto intensiver das Färbeergebnis. Ich habe erst nur ca. 20 Teebeutel verwendet, die Intensität sah dann so aus:

Ich habe dann noch losen schwarzen Tee in meiner Küche gefunden, ca. 150 g, und habe diesen einfach noch mal mit neuem Wasser aufgekocht, habe etwas von dem schon vorhandenen Sud im Eimer abgegossen und den Eimer mit dem stärkeren Sud wieder aufgefüllt. Dann sah die Intensität so aus:

3. Einwirken und Ausspülen

Das Ganze habe ich über Nacht einwirken lassen und vorher so oft wie möglich mit einem Holzlöffel umgerührt und den Stoff immer wieder nach unten getunkt. Eigentlich ist mein Eimer auch etwas zu klein für beide Textilien gewesen. Wenn möglich nutzt also einen Eimer oder Topf, in dem das Textil noch genug Platz hat und in dem ihr gut herumrühren könnt. Nach der gewünschten Einwirkzeit schüttet ihr den Teesud weg (oder färbt noch etwas anderes damit) und spült euer Textil mit klarem Wasser aus. Ich habe beides direkt in die Waschmaschine gegeben und bei niedriger Temperatur und mit mildem Waschmittel gewaschen.

   

Wichtig zu wissen: die Farbe ist natürlich nie so dauerhaft, wie synthetisch und industriell gefärbte Kleidung. Du solltest das Textil also nur noch bei 30-40 Grad im Schonwaschgang waschen und auch nicht enttäuscht sein, wenn sich die Farbe vielleicht auch nach und nach wieder herauswäscht, bzw. blasser wird. Meistens sehen Naturfarben aber auch in blasserem Zustand noch schön aus und zur Not färbst Du einfach noch mal nach.

Hast Du selbst auch schon einmal etwas mit Pflanzen gefärbt? Wie waren Deine Erfahrungen? Ich freue mich über Deinen Kommentar!

Simsalabim! Der Turban Look aus alten Klamotten – genäht oder gebunden

Hast Du mal ‘ne Minute? Dann schnapp Dir doch schnell Deinen Lieblingsschal oder Dein Lieblingstuch und binde Dir damit ganz stylish eine neue Frisur. Oder hast Du vielleicht sogar eine Stunde Zeit und noch ein paar alte Tücher oder Klamotten, die Du nicht mehr anziehst, deren Stoffe Du aber noch ganz schön findest? Dann kannst Du Dir sogar ratz-fatz ein (Turbo-)Turban-Haarband nähen. Auch für Bad Hair Days oder einfach nur als Abwechslung zu Zopf und Dutt finde ich den Look super. Außerdem funktioniert er bei kurzen und bei langen Haaren gleich gut und ist unglaublich wandelbar (sportlich, dramatisch, elegant, Hippie….).

Ich selbst wurde von einem Video* meiner Lieblings-Yoga-You-Tuberin Mady Morrison dazu inspiriert und habe deshalb meine Schals aus Baumwolle oder Viskose schon im Winter gerne auf diese Art als “Ohrenwärmer” getragen. Wegen meiner Neurodermitis kratzt mich nämlich selbst die feinste Wolle ganz schnell auf der Haut und es ist gar nicht so leicht, winterliche Mützen oder Stirnbänder zu finden, die nicht aus Wolle oder Synthetikfasern bestehen. Vor ein paar Tagen kam dann noch meine nähbegeisterte Freundin zu mir und wollte sich aus ihrem alten Tuch ein Turban-Haarband nähen. Die “Bindevariante” fand sie für sich nicht optimal, da sie sehr dünne Haare hat und sie jedes gebundene Tuch auf dem Kopf als zu viel Stoff empfunden hätte. Wir haben uns also gleich nach einer Nähanleitung im Internet umgeschaut. Ich fand diese* hier von Eliza sehr hilfreich, allerdings ist die Anleitung nur für elastische Materialien geeignet, das Tuch von Sabrina ist aber gewebt, also nicht elastisch. Es würde also schnell vom Kopf rutschen, da es sich nicht so gut an die Kopfform anpassen könnte. Kurzerhand haben wir uns eine abgewandelte Version der Nähanleitung ausgedacht und das hat mich dazu gebracht, diese mit euch hier zu teilen. Es gibt also in diesem Beitrag drei Anleitungen für den Turban- Look:

Variante 1: gebunden (ohne nähen, geht am schnellsten)

Variante 2: genäht mit nur drei Nähten aus dehnbarem Material (einfach und schnell)

Variante 3: genäht aus nicht dehnbarem Material (etwas kniffliger, dauert aber trotzdem nicht länger als eine Stunde)

Die 2. Variante könnte man übrigens aufgrund der wenigen Nähte sogar ohne Nähmaschine, aber dafür mit der Hand nähen. Dauert etwas länger, aber der Arbeitsaufwand bleibt trotzdem noch übersichtlich.

1. die gebundene Variante:

Der Vorteil dieser Variante ist natürlich, dass es unglaublich schnell geht. Außerdem musst Du nichts nähen und zerschneiden und kannst Deine Schals und Tücher das nächste Mal auch wieder für etwas Anderes benutzen. Die Länge sollte so sein, dass der Schal oder das Tuch zwei Mal um Deinen Kopf gewickelt werden kann und noch Platz für ein Abschlussknoten ist.

Beginne mit der Schalmitte am Hinterkopf, führe beide (gleich langen) Schalhälften an den Ohren entlang nach oben zur Stirn.

   

Überkreuze nun die Schalhälften am Haaransatz in der Mitte (oder seitlich) und drehe sie jeweils in die gleiche Richtung um 180° umeinander (Richtung ist egal, Du musst zwei Mal die Hände wechseln, um keinen Knoten in den Armen zu bekommen)

   

Jetzt haben sich beide Schalhälften ineinandergehakt und Du kannst sie wieder an den Ohren vorbei zum Hinterkopf führen und mittig (oder seitlich) verknoten. Zuppel jetzt noch ein bisschen an den Schalteilen herum, bis es Dir gefällt. Wenn Du die Schalteile auf jeder Seite etwas versetzt nebeneinander am Kopf entlangführst, wirkt das “Haarband” nicht so dick aber dafür breiter. Mir persönlich gefällt es so am besten.

2. die genähte Variante aus dehnbarem Material

Der Vorteil dieser Variante ist, dass sie wirklich sehr leicht zu nähen ist und Du aus alten Klamotten etwas ganz Neues zaubern kannst. Ich habe zum Beispiel ein T-Shirt von meinem Freund genommen, das er zwar noch schön fand, aber eigentlich doch nicht mehr getragen hat. Ich finde den Spruch ziemlich lustig und die Farben haben mir auch gefallen, deshalb musste es als Versuchsobjekt herhalten. Falls Du Nähanfänger/in bist, möchte ich kurz noch erklären, woran man erkennen kann, ob der eigene Stoff eher zu der dehnbaren (Gewirke/Gestricke oder Maschenware genannt) oder nicht dehnbaren Sorte (Gewebe oder Webware genannt) gehört:

Nähbasics: Gewirke/Gestricke und Gewebe

Textile Flächen können in noch mehr Kategorien, als nur in Gewirke/Gestricke und Gewebe eingeteilt werden, aber der Großteil Deines Kleiderschrankinhalts besteht aus diesen beiden Arten, deshalb beschränke ich mich darauf:

Gewirke/Gestricke: Bei Gestricken, die entweder manuell oder maschinell hergestellt werden können, wird ein Faden mit einer Nadel in horizontaler Richtung als Schlinge (Masche) nacheinander durch jede Schlinge der vorhergehenden Reihe gezogen. Die ganze Fläche kann wieder aufgeribbelt werden, wenn man an diesem Faden ziehen würde. Bei Gewirken werden auch Fadenschlingen durch die vorhergehenden Schlingen gezogen, allerdings passiert dieser Prozess bei jeder Masche der vorhergehenden Reihe gleichzeitig. Die Arbeitsfäden verlaufen hier deshalb vertikal. Diese Flächen können nur maschinell hergestellt werden, weil man so viele Nadeln braucht, wie es Maschen in der Breite der textilen Fläche gibt. Diese Fläche kann nicht einfach aufgeribbelt  werden. Gestricke und Gewirke haben gemeinsam, dass die fertige textile Fläche aus Maschen besteht und deshalb dehnbar ist und sich den Körperformen gut anpassen kann. Die Maschen können ganz klein und kaum wahrnehmbar sein, oder ganz groß, wie z.B. bei dicken Winterpullovern.

Beim Nähen mit der Nähmaschine ist bei Maschenware zu beachten, dass Du eine Jerseynadel benutzt. Diese sind weniger spitz als normale Nähmaschinennadeln. Das ist wichtig, damit die Nadel beim Einstechen Deine Maschenware nicht kaputt macht. Sonst entsteht ganz leicht ein Loch oder mehrere Löcher dort, wo Du genäht hast. Dieses Problem hat übrigens einen lustigen Namen: Maschensprengschäden. Wenn Du nur eine Haushaltsnähmaschine hast, solltest Du beim Nähen mit diesen Stoffen immer den Zickzack Stich wählen, damit Deine Naht ebenso dehnbar ist, wie der Stoff selbst. Wenn Du einen normalen Steppstich nehmen würdest, und den Stoff beim Anziehen und Tragen dehnst, kann die Naht schnell reißen. Manchmal möchte man bei später sichtbaren Steppnähten die Zickzack Optik vermeiden, dann kannst Du es mit einem schmaler eingestellten Zickzack Stich probieren. Dieser hat dann meist immer noch mehr Elastizität als ein gerader Steppstich, ist aber nicht ganz so auffällig.

Gewebe: bei Geweben werden meist zwei rechtwinklig zueinander stehende Fadensysteme miteinander verkreuzt. Je nachdem nach welcher Methode/Regel die Fadensysteme miteinander verkreuzt werden, können verschiedene haptische und optische Eigenschaften des Stoffes erzielt werden. Prinzipiell ist ein Gewebe nicht oder kaum dehnbar, außer, es werden dem Gewebe elastisch machende Materialien beigemischt (wie z.B. Elasthan).

Bei Geweben sollte man die Dicke der Nähnadeln an die Feinheit des Stoffes anpassen. Eine Jeansstoff braucht z.B. eine andere Nadel, als Chiffon.

 

Aber nun zur Anleitung, die quasi die fotografierte Version von Eliza’s Videoanleitung ist:

Schneide aus Deinem Stoff zwei Streifen á 22 x 58 cm aus. (Ich hatte bei meinem T-Shirt leider nur Platz für 54 cm Länge, es sitzt daher etwas straff.) Schneide im Zweifel lieber ein paar Zentimeter mehr in der Länge zu. Kürzen kannst Du später noch.

Falls Du möchtest, dass Motive später immer noch mittig auf dem Stoffstreifen platziert sind, zeichne Dir Hilfslinien (z.B. durch die gedachte Mitte des Motivs) und miss von dort jeweils die Hälfte des Längen- und/oder Breitenmaßes.

Falte beide Stoffstreifen rechts auf rechts längs zur Hälfte und stecke die Stofflagen fest. Nähe nun mit einem Zickzack Stich die Stofflagen fest und verriegele (kurzes Vor- und Zurücknähen) am Anfang und Ende der Naht. Als Nahtzugabe kannst Du ca. 1 cm kalkulieren.

Nähbasics: vor dem Nähen Stofflagen feststecken

Während Du nähst, wird die obere Stofflage vom Nähfuß auf die untere Stofflage gedrückt und die untere Stofflage wird von den Zähnchen des Transporteurs gezogen. Transporteur und Nähfuß gewährleisten den Weitertransport beider Stofflagen beim Nähen. Durch das Drücken auf der oberen Stoffseite und Ziehen auf der unteren Stoffseite werden die Stofflagen allerdings minimal gegeneinander verschoben. Die obere Stofflage scheint am Ende der Naht auf einmal “länger” als die untere. Deshalb ist es wichtig, die Stoffkanten, die Du beabsichtigst zu nähen, vorher zusammenzustecken, um diese Differenzen beim Nähen zu vermeiden. Zuerst sollten Anfang und Ende zusammengesteckt werden, danach die Mitte, danach die Mitte von der Mitte etc. Je kürzer die Naht und je sicherer Du Dich beim Nähen fühlst, desto weniger Nadeln wirst Du wahrscheinlich brauchen. Wenn Du Nadeln mit kleinem Metallkopf wählst und diese im rechten Winkel zum Nahtverlauf steckst, kannst Du auch vorsichtig drüber nähen, ohne die Nähnadel oder Stecknadel kaputt zu machen.

 

Nun hast Du zwei “Schläuche”, die Du noch umstülpen musst, so dass die Nahtzugabe innen liegt. Lege die Naht mittig zur Schlauchbreite, so wie auf dem Foto zu sehen.

Lege die beiden Schläuche über Kreuz aufeinander. Die Nähte beider Schläuche zeigen zueinander (schauen sich an).

Nun faltest Du die Schläuche in der Mitte und legst die jeweiligen Schlauchenden aufeinander.

Die zwei Schläuche sind jetzt ineinander verhakt und die Nähte der jeweils beiden Schlauchhälften zeigen wieder zueinander.

Normalerweise könnten jetzt schon alle vier Schlauchenden übereinander gelegt und zusammengenäht werden. Dann wäre das Haarband fertig, aber man würde leicht die Nahtzugabe der letzten Naht erkennen. Deshalb lege noch nicht alle Schlauchenden aufeinander. Nimm zuerst einmal nur die obere Schlauchhälfte des linken Schlauches und legen ihn so auf die beiden rechten Schlauchhälften, dass die Naht nach oben zeigt.

Die untere linke Schlauchhälfte legst Du nun unter alle drei rechts liegenden Schlauchenden, so dass die Naht nach unten zeigt.

An Deinem “Schlauchendenpäckchen” solltest Du jetzt von oben und unten eine Naht sehen können.

Jetzt ziehst Du alle Lagen noch einmal zurecht. Achte darauf, dass die Nähte alle mittig übereinander liegen und nähe mit einer Zickzack Naht alle Stofflagen zusammen. Vergiss nicht, die Naht am Anfang und Ende zu verriegeln.

Du kannst nun noch die Ecken der Nahtzugaben schräg abschneiden, dann fallen sie später noch weniger auf. Pass aber auf, dass Du nicht zu dicht an der Naht schneidest.

Wenn Du jetzt wieder alles auseinander faltest, sollte die Nahtzugabe zwischen den Schlauchenden versteckt liegen. Das Turban Haarband ist fertig!

3. die genähte Variante aus nicht dehnbarem Material

Die Vorgehensweise ist erst einmal dieselbe, wie bei Variante 2, nur dass Du für alle Nähte eine normale Steppnaht anstatt eines Zickzack Stiches verwendest. Nähe Dein Haarband aus nicht dehnbarem Material nach Anleitung 2 so weit, bis Du bei diesem Foto angekommen bist:

Dies ist der Punkt, an dem Du das Band schon mal um Deinen Kopf legen solltest. Am Hinterkopf sollten noch ein paar Zentimeter Platz zischen den Schlauchenden sein. Bei Sabrina  haben wir die Schlauchenden so gekürzt, dass 5 cm Zwischenraum frei waren. Du brauchst nun für diesen Zwischenraum ein Elastikgummi, dass später für die nötige Spannung sorgt und garantiert, dass dein Haarband auch abends noch da bleibt, wo Du es morgens hingerückt hast. Damit man das Elastikgummi später nicht sieht, nähst Du dafür noch einen kleinen Schlauch aus dem gleichen Stoff, wie Deinem Haarband. Und das geht so:

 

Die Länge des Gummibandes kann ungefähr der Länge des Zwischenraumes entsprechen, der entsteht, wenn Du Dein Haarband jetzt schon mal um den Kopf legst. Du müsstest zwar normalerweise noch Nahtzugaben bei Gummiband und Schlauchenden hinzurechnen, aber eine gewisse Grundspannung im Gummiband ist nicht verkehrt, damit das Haarband später gut sitzt.

Die Maße des benötigten Stoffstreifens errechnest Du so:

Länge = ca. 2x Länge des Gummibandes (da sich der Schlauch später mit dem Gummiband “mitdehnen” können muss)

Breite = 2x Breite des Gummibandes + 2x gewünschte Nahtzugabe + 1-2 cm Mehrweite damit das Gummiband später leicht in den Schlauch passt.

Wir waren hier großzügig und haben ein den Stoffstreifen mit den Maßen 6 cm Breite x 9,5 cm Länge zugeschnitten. Mit zwei Mal Nahtzugabe von 0,5 cm hat der Schlauch dann eine fertige Breite von 2,5 cm, also 1 cm breiter, als das Gummiband. Auch hier wird der Stoffstreifen, wie anfangs bei den zwei großen Schläuchen, längs rechts auf rechts gefaltet und mit einem normalen Steppstich zugenäht. Am Anfang und Ende der Naht wieder verriegeln und danach den entstandenen Schlauch wenden.

Nun stecke das Gummiband in den kleinen Schlauch. Lege die Kante des Gummibandes und  die Kante des Schlauches bündig aufeinander und nähe mit einem Steppstich beides miteinander fest.

Dasselbe machst Du auf der anderen Seite des Gummibandes. Schiebe dazu die ganze Mehrweite des Stoffes in die Richtung Deiner eben genähten Naht. Da der Schlauch länger ist, als das Gummi, wird er sich jetzt in Falten legen. Das ist richtig und so gewollt, achte aber darauf, dass der Stoff an der Schlauchkante glatt liegt und Du beim Festnähen keine Falten in den  Stoff nähst.

Jetzt ist Deine faltige “Gummibandraupe” fertig und sie muss nun nur noch als Verbindung zwischen die Schlauchenden Deines Haarbandes genäht werden. Lege es dafür bündig auf die zwei Schlauchenden einer Seite und falte sie auf die Breite der “Gummibandraupe” zusammen, indem du die Längskanten Deiner Schlauchenden immer weiter in Richtung “Gummibandraupe” einschlägst.

 

Wenn Deine “Gummibandraupe” fertig eingewickelt ist, kannst Du alles wieder mit einem Steppstich festnähen. Verriegeln lohnt bei so einer kurzen Strecke nicht, deshalb nähst Du am besten einmal komplett nach vorne und komplett wieder zurück. Dasselbe machst Du noch mit den anderen beiden Schlauchenden Deines Haarbandes. Achte darauf, dass Du nicht aus Versehen Stofflagen verdrehst, die nicht verdreht werden sollen. Die Nähte Deiner Haarbandschläuche sollten auch hier innen liegen. Und tadaaaa, auch dieses Haarband ist jetzt schon fertig!

 

Ich hoffe, ich konnte euch zu einer kleinen Nähaktion oder einfach nur zu einer neuen Frisur inspirieren. Kommt ihr mit der Nähanleitung gut zurecht? Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

 

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