Holz und Hygiene – von Keimen in der Küche…und im Mund

…in der Küche:

Als ich mit 19 von zu Hause auszog, habe ich ein Glasschneidebrett mitgenommen, das bei uns noch so rumflog. Plastik fand ich schon sehr früh sehr doof und so war ich super happy, so eine hygienische plastikfreie Schneidebrettlösung in meinem Besitz zu wissen. Als ich dann umgezogen bin und das Schneidebrett in Benutzung war, merkte ich, dass es sich darauf gar nicht so toll schneiden ließ. Das wurde durch meine spätere Recherche zum Thema Schneideunterlagen bestätigt: dass es Messern nämlich schadet, wenn damit auf Glas geschnitten wird. Hm..ok, dann also doch wieder zurück zu den Holzbrettchen. Ich hatte das Thema dann irgendwie für mich abgehakt und habe mir nichts weiter dabei gedacht, rohes Fleisch im Wechsel mit Obst und Gemüse auf ein und demselben Brettchen zu schneiden – natürlich nicht direkt hintereinander, sondern nach schrubben mit Seife und zwischendurch trocknen lassen – und musste bisher auch keine Magenverstimmung oder Schlimmeres vermelden, was auf diese Art der Essenszerkleinerung zurückzuführen gewesen wäre. Nur Zwiebeln und Knoblauch würde ich nicht vor Obst auf demselben Holzbrett schneiden… außer man findet Ananas mit Zwiebelaroma spannend.

So schnitt ich also frei und fröhlich auf meinen Holzbrettchen und immer wenn ich irgendwo zu Besuch war und zerfurchte und zerfranste Plastikbrettchen in Benutzung gesehen habe, habe ich gefragt, ob denn Holzbrettchen nicht eine schönere/nachhaltigere/gesündere Alternative wären. Die Antwort war meistens:

„ Holz ist unhygienisch.“

So richtig konnte ich das nicht wiederlegen, ich hatte ja keine Ahnung, ob Holz nun tatsächlich unhygienischer war, als ein zerfurchtes Plastikbrettchen, also habe ich dazu nichts weiter gesagt. 

Heutzutage gibt es jede Menge Gründe GEGEN Plastik, aber der hygienische Aspket, der FÜR Holz spricht, kam mir bisher in der Argumentation irgendwie zu kurz, bzw. habe ich ihn nicht gefunden. Bis ich das Buch „Die sanfte Medizin der Bäume“ von Erwin Thoma gelesen habe.* Erwin Thoma ist eine, wie ich finde, tolle (Unternehmer-) Persönlichkeit. Er hat schon viele Bücher geschrieben, die ich nach und nach noch lesen möchte. In dem oben erwähnten Buch, das er mit einem Mediziner geschrieben hat, teilt er sein Wissen (und das seines Großvaters) zur positiven Wirkung von Holz und Bäumen auf den Menschen. Und in diesem Buch habe ich dann u. A. endlich die Argumentation für Holz als Schneidebrettchen gefunden! Sogar wissenschaftlich belegt! Das hat mich so gefreut, dass ich mir gedacht habe, das müssen unbedingt noch mehr Menschen erfahren, damit Holz endlich wieder die Wertschätzung erfährt, die es verdient…nicht nur in Bezug auf Schneidebrettchen.

Letztlich sind es zwei Aspekte, die Holz zu einem wunderbaren Material gegen Keime und Bakterien machen:

1. Der Entzug der Lebensgrundlage von Bakterien, indem es Wasser aufsaugen kann.

In wissenschaftlichen Versuchen wurde beobachtet, wie sich die Keimzahl auf verschiedenen Oberflächen entwickelt, nachdem ein Tropfen Wasser mit Keimproben auf die jeweilige Oberfläche fällt:

  • Nach 2 Stunden ist die Keimzahl auf Glas, Metall und Kunststoff immer noch gleich hoch, während sie sich auf Holz schon auf bis zu 25% reduziert hat.
  • Nach 24 Stunden sind auf den Holzoberflächen 85-90% aller Keime und Bakterien verschwunden.
  • Nach 48 Stunden ist das Holz wieder sauber (ohne dass es jemand gereinigt hätte).
  • Bei Glas dauert dieser Prozess ungefähr 100 Stunden und bei Kunststoff ca. 200 Stunden.

Der Grund dafür ist die poröse und strukturierte Oberfläche des Holzes, also genau das, was früher als Argument gegen die Benutzung von Holz z.B. in der Küche gesprochen hat. Durch seine Struktur kann Holz Wasser blitzschnell aufsaugen und den Bakterien und Keimen wird somit schlicht und einfach ihre Lebensgrundlage entzogen. Auf einer glatten Oberfläche kann Feuchtigkeit nicht weggesaugt werden, sie kann nur verdunsten, was wesentlich länger dauert. Wenn ein Kunststoffbrettchen dann schon ein paar Gebrauchsspuren vorweist und von Messerschnitten zerfurcht ist, dann kann die Feuchtigkeit sich in den Rillen noch besser halten. Sie wird ja nicht weggesaugt wie beim Holz. Holz hat aber noch einen Ass im Ärmel, wenn es um die Vernichtung von Keimen geht: 

2. Inhaltsstoffe im Holz, die gegen Bakterien und Keime wirken

Holz enthält auch chemische Waffen, die es gegen Bakterien und Keime einsetzen kann. Drei Hölzer sind dabei dem Kunststoff überlegen: Die Tannine in Kiefer und Lärche, sowie die Gerbsäure in Eichenholz wirken konservierend und desinfizierend. Die Untersuchungsergebnisse der anderen Hölzer fallen zumindest nicht schlechter aus, als die von Kunststoff.

Die mechanische Oberflächenbehandlung des Holzes, also ob aufgerauht oder glatt, spielt dabei so gut wie keine Rolle. Sehr wohl spielt aber eine Rolle, ob das Holz lackiert, lasiert oder sonstwie mit Fremdstoffen bepinselt oder behandelt wurde. Mit jedem Fremdstoff, der auf Holz dauerhaft aufgebracht und versiegelt wird, verringert sich auch die antibakterielle Wirkung. Auch Fette und Öle gehören dazu.

Vergleichend hat man dann auch noch einmal den Versuch mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln durchgeführt und auch hier wieder nach bestimmten Zeitintervallen untersucht, wie sich die Keimzahl verändert. Der klare Gewinner war hier das Kiefern-Kernholz, bei dem schon nach 10 Minuten praktisch keine Keime mehr nachweisbar waren. Auf Fliesen und Kunststoffen dauerte es immerhin 30 Minuten. 

„Zusammenfassend kann aus wissenschaftlicher Sicht gesagt werden, dass Holzoberflächen im Innenausbau von Räumen mit gehobenen hygienischen Anforderungen im Vergleich zu bisher verwendeten Materialien wie Kunststoff, Fliesen, Glas und Metall mindestens gleichwertig oder sogar überlegen sind. Die durch ihre Inhaltsstoffe besonders antibakteriell wirksamen Hölzer Kiefernholz, Lärche und Eiche können darüber hinaus sogar Reinigungs- und Desinfektionsmittel einsparen bzw. Reinigungsintervalle verlängern und ggf. reduzieren. So weit die wissenschaftliche Formulierung.“

aus “Die sanfte Medizin der Bäume” von Maximilian Moser und Erwin Thoma, S. 104 ff*

 

Eine ganz persönliche Erfahrung, die ich immer mal wieder mit meiner unbehandelten Küchenarbeitsplatte mache, bestätigt diese vorher genannten Beobachtungen aus der Wissenschaft: Manchmal passiert es mir, dass ein stark rötlich färbendes Lebensmittel auf der Arbeitsplatte ausläuft/stehen bleibt/ vergessen wird oder ähnliches. (Stichwort: Gefrorene Heidelbeeren)  Dann entsteht immer ein furchtbarer Fleck und in Gedanken sehe ich mich dann schon immer das Schleifgerät holen. Zu meiner großen Verwunderung verschwinden diese Flecken aber nach einiger Zeit von ganz alleine. Das geht umso schneller, je kürzer die ungewollte „Einwirkzeit“ auf dem Holz war. Das passiert auch ohne eifrige Putzaktionen meinerseits. Ich wische lediglich im Rahmen der ganz normalen täglichen Spülsessions mit dem Lappen ohne Druck über die Arbeitsfläche.

 

…im Mund:

Ein anderes Beispiel für die für den Menschen nützlichen und schon lange genutzten Vorteile von Holz findet sich in der Zahnhygiene. Im arabischen Raum wird zum Beispiel schon sehr lange der Miswakzweig für die Reinigung der Zähne verwendet. Wenn man das Ende eines Zweiges anbeißt, fächert er wie ein kleiner Pinsel auf und kann so als natürliche, plastikfreie Zahnbürste verwendet werden. Das Miswakholz hat extrem viele Inhaltsstoffe, die gesund für die Zähne, das Zahnfleisch und die Mundflora im Allgemeinen sind. Auch in Europa hat man vermutlich früher Weidenzweige zur Zahnreinigung verwendet. 

 

Enthalten sind im Miswak: natürliche Fluoride mit nützlicher Wirkung als Strukturelement unseres Skeletts und der Zähne, Silicium – unersetzlich für die Erhaltung von Bindegewebe, Knorpel, Knochen, Haare, Nägel, Zähne und Calciumsulfat – das ist wichtig beim Aufbau von Knochen und Zähnen.

Die Gipskristalle dienen im Miswak als Putzkörperchen. Sie helfen, den fest anhaftenden Schmutz von den Zähnen zu lösen.

Weitere Inhaltsstoffe sind Tannine (Tannine sind verantwortlich für den etwas bitteren Geschmack, wirkt beruhigend auf Schleimhäute, beschleunigen Heilungsprozesse bei Verletzungen und hemmen Entzündungen), Saponine, Vitamin C, Flavonoide (stärken das Immunsystem, beugen bestimmten Krebsarten vor, regulieren den Blutdruck und hemmen Entzündungen).

Miswak ist in Bezug auf Hygiene und Putzwirkung wissenschaftlich häufig untersucht und stets bestens bewertet.

aus: https://www.swak.de/was-ist-die-swak/miswak/*

 

Eine Firma (Swak*) hat die positiven Eigenschaften des Miswakzweiges mit dem heutigen „Zahnputzkomfort“ verbunden und die “Swak” erfunden. Das ist eine „Zahnbürste“, in die ein kleines Stück des Miswakzweiges hineingedreht wird, quasi als „Zahnbürstenköpfchen“. Mit der kann dann jeder Zahn einzeln geputzt werden. Wenn der Miswakzweig dann abgenutzt ist, wird er einfach zum Biomüll gegeben und ein neues Stückchen kann eingedreht werden. Es ist also auch gleichzeitig die beste (und einzigste?) Zero Waste Zahnbürste, die ich kenne. Wenn man den Miswakzweig allein benutzt, braucht man noch nicht einmal den Bürstenhalter.

 

 

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag endgültig eine Lanze für das Schneidebrettchen aus Holz brechen und vielleicht noch für viele Dinge mehr aus Holz. Denn die oben genannten Aspekt zum Thema Hygiene sind nicht die einzigen Kompetenzen von Holz in Bezug auf den Menschen und seine Umwelt. Es gibt noch so viel mehr über die Fähigkeiten unserer Bäume, über Holz und die Medizin der Natur zu entdecken. Ich habe letztes Jahr mit meiner Familie ein Wochenende in dem Baumhaus von Erwin Thoma verbracht. Seitdem will ich am liebsten selbst ein Tiny House aus Holz100 bauen und maximal zum Waldbaden wieder herauskommen… aber das ist eine anderes Thema…

 

 

* Ich bekomme kein Geld oder sonstige Vorteile von den von mir verlinkten Unternehmen. Ich verlinke nur, wenn ich den Link inspirierend oder den Inhalt oder die Produkte nützlich im Zusammenhang mit meinem Beitrag finde.

 

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2 Kommentare

  1. Ich habe ja schon immer geahnt, dass Holz ein guter “Küchenbegleiter” ist, jetzt weiß ich es, vielen Dank!!!

    • Hallo Thomas! Vielen Dank für Deinen Kommentar! Das freut mich, dass Dich der Beitrag in Deiner Vermutung bestätigt hat!

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